Finlaggan

Unsere originäre Planung für das Feis Ile 2011 sah heroische Fahrradtouren vor, die wir als Netz aus Schweiß und Blut über die gesamte Insel legen wollten, edlen Rittern gleich von Destillerie zu Destillerie reitend, eingedeckt mit Gelsätteln, wasserdichten Fahrradhosen und strapazierfähigen Funktionshandschuhen.

Das feucht-kühle Klima Schottlands Innerer Hebriden sollte den hartgesottenen Haudegen in uns nichts anhaben können, von wegen Wind und Wetter, es galt unsere Losung jedem Orkan unmissverständlich ins Gesicht zu schreien: „A proper preparation prevents poor performance!“


Entstanden bei unserem ersten Besuch vor etwa drei Jahren noch Bilder, die mehr an die sonnigen Strände der Kanaren denn an die rauhe atlantische Lebenswirklichkeit erinnern ließen, so zeigte sich Islay heuer von seiner unbarmherzigen Seite. Apokalyptische Unwetter legten Fährverbindungen und Flugverkehr lahm, Stürme aus dem Vorhof der Hölle hauchten dem Stromnetz den letzten Lebensfunken aus. Der hagelgeschwängerte Regen, er fiel nicht, er peitschte. Aus unseren Mieträdern wurde ein Mietwagen, aus Rittern sterbliche Touristen.

Ein kleiner Trost blieb bei all unserer Schmach, gewann die Wellness doch ihre in heimeligen Wohlfühloasen verloren gegangene Männlichkeit eindrucksvoll zurück: Es war der Hagelschauer von Finlaggan, welcher einem Kärcher-Sandstrahl-Biopeeling gleich unserer maskulin gegerbten Heldenhaut wohldurchblutende Frische und ungeahnte Jugend in die Poren stanzte. Dem hochprozentigen Raubbau am eigenen Körper wurde so – zumindest vorübergehend – effektiv entgegengewirkt.